Abgesagt.

Selten habe ich lieber Nein gesagt als in diesem Fall. Es geht nicht um den Anlass. Es geht nicht um die Veranstalter. Es hat ganz andere Gründe. Ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte, über meine Erfahrungen nach dem Jobverlust zu erzählen. Über den anfänglichen Schock, die Jobsuche, das Bloggen und den neuen Arbeitsplatz. Im Prinzip hätte ich das sehr gern getan. Aber ich habe keine Zeit. Ich muss arbeiten. Vermutlich gibt es keinen besseren Grund, nicht über Arbeitslosigkeit zu reden. Ich freue mich, dass ich arbeiten werde ab Montag, 3. Juni, 9 Uhr. Fünf Tage die Woche. Eine halbe Stelle.

Derzeit habe ich die Krone gegen ein Schwesternhäubchen getauscht. Sohn krank, Freund krank. Eine Woche werden beide noch in Vollzeit betüddelt.

Bereit.

Den ersten Maikäfer seit Jahren habe ich heute gesehen. In Freudenberg bei Siegen. Ich glaube fast, für Junior war es der erste Maikäfer seines Lebens. Bestimmt bringt uns das Glück. Ebenso wie der Glückskeks gestern Abend beim Chinesen. Beide hatten wir denselben Text auf unserem Zettelchen stehen: “Sie lösen ein Problem sehr schlau.” Klingt doch gut. Nur hatten wir beide keine Ahnung, dass wir derzeit ein Problem haben…

Am Wochenende haben wir den fröhlichen Saisonabschluss mit vielen Freunden und Bekannten in Freiburg genossen. Herrlich war es. Nicht nur das Spiel. Im Freiburger Münster haben wir eine Kerze angezündet – als Dankeschön. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass ich so schnell eine neue Festanstellung gefunden habe.

Mein Kleiderschrank ist seit heute auch bereit für den neuen Lebensabschnitt. Meinetwegen könnte es losgehen.

Unvermittelt.

Bewerbung: 10. Februar. Absage: Heute im Briefkasten. Es ist nicht mehr wichtig. Aber hätte ich nicht inzwischen etwas anderes, wäre ich jetzt am Boden zerstört. Muss so etwas derartig lange dauern? Inzwischen weiß ich: Muss es nicht, tut es aber oft. Falls man überhaupt je eine Reaktion bekommt. Schade, dass mit Arbeitssuchenden, die engagiert und motiviert sind, dringend einen Job suchen, so umgegangen wird.

“Wer arbeiten will, findet auch was”, bekam auch ich gelegentlich zu hören. Sicher, eine Putzstelle würde ich bestimmt finden. Aber das ist ja – zumindest wenn man qualifiziert ist und viele Jahre Berufserfahrung vorweisen kann – nicht das Ziel. Man möchte ja eine adäquate Stelle, nicht irgendeine. Alles andere wäre Notfallplan, falls gar nichts klappen sollte.

Die Mitteilung ans Arbeitsamt hebe ich mir noch ein wenig auf. Die muss ich zelebrieren. Hach. Darauf freue ich mich ganz besonders. Nach meiner letzten Mitteilung, dass ich nicht die Absicht habe, mich auf irgendetwas zu bewerben, wozu ich nicht qualifiziert bin, herrscht ohnehin Funkstille. Bestimmt ist meine Arbeitsberaterin jetzt beleidigt. Auf jeden Fall werde ich in die Mitteilung ausdrücklich hinein schreiben, dass ich die neue Stelle nicht dank der Vermittlung der Agentur für Arbeit gefunden habe. Nicht, dass die auf die Idee kommen, mich in ihrer Statistik unter “vermittelt” zu verbuchen.

Gelöst.

Selten habe ich einen Satz so gern geschrieben: “Ich bin nicht interessiert.” Hach. Meine Antwort auf die Einladung, einen Termin zum Profiling in der künftigen Transferagentur und späteren Transfergesellschaft für Ex-WR-Redakteure zu vereinbaren. Ich brauche ihn nicht mehr, diesen Termin.

Die Angebote sind wie erwartet professionell. Resümee der aktuellen Lage, mögliche Perspektiven – was man halt so macht. Der Programmpunkt “Aufbereitung der Trennungssituation” klingt ein wenig nach Beziehungsproblemen, Scheidung, Rosenkrieg. Aber es ist ja schon was dran, an dieser Formulierung. So ein unerwarteter Rauswurf fühlt sich an, als hätte einen der Partner verlassen. Der Alltag verändert sich ähnlich dramatisch wie nach einer Trennung. Aber auch diese “Aufbereitung” brauche ich nicht mehr. Die habe ich hier mit therapeutischem Schreiben erledigt.

Aber insgesamt keine schlechte Sache, so eine Transfergesellschaft, die noch sechs Monate nach Ablauf der Kündigungsfrist läuft. Für mich als Teilzeitkraft wäre es ohnehin schwierig gewesen, etwa einen fünftägigen Strategieworkshop oder ähnliche Ganztagsveranstaltungen wahrzunehmen. Wie sollte ich das organisieren? Denn natürlich findet alles im Haus Busch in Hagen statt. Nicht gerade um die Ecke. Und ganztags geht eben nicht, darum habe ich die letzten Jahre 40 % gearbeitet.

Egal. Kein Thema mehr für mich. Und das ist die allerbeste Lösung.

Raschelig.

Da schleicht sie dahin, die Zeit. Noch zweieinhalb Wochen, ehe ich durchstarten kann. So langsam werde ich raschelig. Könnte auch genauso gut jetzt loslegen. Ja, Geduld ist nicht gerade meine Stärke. Ich bin neugierig. Auf die Arbeit, das Umfeld. Hach.

Der Garten mutiert zu einem leisen Vorwurf. Immerhin habe ich das Haus auf Hochglanz gebracht. Zumindest alles Wichtige ist erledigt. Fenster putzen müsste ich noch. Mache ich aber nicht gern. Nächstes Jahr wünsche ich mir einen Fensterputzer-Einsatz zum Geburtstag. Das wäre mal eine Marktlücke. Bekäme ich Küchengeräte geschenkt, wäre ich beleidigt. Aber so ein Fensterputzer-Gutschein? Das hätte Charme. Gibt es das schon? Wenn nicht, sollte man es erfinden. Als kluge Frau sollte ich ihn mir besser gleich selbst schenken. Quasi nachträglich zum diesjährigen Geburtstag. Dann hätte ich sofort etwas davon.

Morgen kommt tatkräftige Unterstützung, dann geht es auch den Wildkräutern an den Kragen. Falls es nicht regnet. Wenigstens einmal im Frühjahr sollte alles ordentlich ausgemistet sein rund ums Haus. Die 47 Tütchen Blumensamen muss ich auch noch im Garten aussäen. Gab’s im Supermarkt für minikleines Geld. Ich konnte nicht widerstehen. Doof nur, dass auch vom vorigen Jahr noch ähnlich viele Samen in der Garage ihrer Verwendung harren. Wir haben dann auf jeden Fall viele Blumen.

Dem Wetterfrosch glaube ich kein Wort mehr. Heute sollte es regnen, tönt er seit gestern. Gar nichts von wahr. Staubtrocken war es den ganzen Tag. Sonst säße ich wohl kaum in meinem Freiluft-Büro auf der Terrasse.

Noch zweieinhalb Wochen. Hach.

Abgekürzt.

Das letzte Kapitel WAZ-Angehörigkeit neigt sich dem Ende zu. Heute drückte mir der Briefträger einen großen Umschlag aus Essen in die Hand. Darin: der veränderte Aufhebungsvertrag. Am 31. Mai 2013 ist Schluss. Nicht wie ursprünglich laut Kündigungsfrist vorgesehen am 31.12.2013.

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich binnen so kurzer Zeit eine neue Festanstellung finden würde. Noch innerhalb der Kündigungsfrist. Ohne einen einzigen Tag Arbeitslosigkeit. Aber es ist wahr. Am 1. Juni 2013 beginnt für mich ein neuer Abschnitt.

Ich bin froh und erleichtert. Wie sehr, kann ich gar nicht in Worte fassen. Heute wird gefeiert. Das neue Lebensjahr beginnt großartig.

Vermisst.

Frühstück ohne Zeitung ist doof. Ich habe es versucht. Ehrlich. Für mich ist das nichts. Ich möchte eine kisternde Zeitung. Eine, die wir teilen können. Eine, die man falten kann.

Ich habe es mit der Zeit versucht. Es ist nicht dasselbe. Ich habe wirklich alles gelesen. Die ganze, dicke Zeit. Aber ich vermisse eine Tageszeitung. Eine, in der auch etwas über unsere Kleinstadt steht.

Nur die Westfälische Rundschau, die kommt mir nicht mehr ins Haus. Die tut mir nicht gut. Auch wenn ich nun einen neuen Job habe, würde ich mich vermutlich noch lange jeden Morgen über das zusammengekaufte Blatt ärgern, das nur noch dem Namen nach eine WR darstellen soll.

 

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