Jahrestag.

Heute vor einem Jahr war einer der schwärzesten Tage meines beruflichen Lebens. Der Rausschmiss für die 120 Redakteurinnen und Redakteure und das Aus für viele freie Mitarbeiter der Westfälischen Rundschau wurde verkündet. Mir hat es – wie den anderen Kollegen – den Boden unter den Füßen weggezogen.

Jetzt, ein Jahr geht es mir gut. Ich hatte unglaubliches Glück, habe eine neue Festanstellung gefunden.

Den Kollegen, die noch immer keine Perspektive haben, wünsche ich, dass sie einen Weg zurück ins Berufsleben finden. Wie auch immer er aussehen mag. Den Kollegen, die schon einen neuen Job haben, wünsche ich viel Glück und Erfolg.

Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass für mich sehr viel Wahres an diesem Spruch ist: Wo sich eine Tür schließt, geht eine andere Tür auf.

Zugeklappt.

Zugeklappt.

Ich habe ihn zugeklappt, den Ordner mit all den Unterlagen, die ich hoffentlich nur noch aus Nostalgiezwecken durchblättern muss. Adieu Arbeitsamt. Adieu WAZ, die inzwischen Funke-Gruppe heißt. Adieu Bewerbungsunterlagen und sonstiger Papierkram.

Die Probezeit ist überstanden. Die Arbeit macht unverändert Spaß. Es gibt viele Parallelen zum bisherigen journalistischen Arbeiten. Es gibt aber mindestens genauso viele Unterschiede. Die Themen sind bunt und vielfältig. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen in den drei Rathäusern, dem Energie- und dem Wasserversorger ist spannend. Manchmal ächzen sie sicher, wenn ich mir alles bis ins Detail erklären lasse – ob es um eine aufwändige Straßenbaustelle oder die Wasseraufbereitung geht.

Neulich habe ich eine Geschichte über eine langjährige Standesbeamtin geschrieben, die in Ruhestand ging und viele schöne Anekdoten erzählen könnte. Das war wie früher. Früher, als ich noch Lokalredakteurin war. Denn dieses Kapitel ist ein für allemal abgehakt für mich. Lokalredakteurin war ich viele Jahre mit Herzblut. Jetzt bin ich Pressesprecherin. Auch das mit Herzblut. Nur an die Bezeichnung muss ich mich erst noch gewöhnen.

Ehrlich: Manchmal vermisse ich das Zeitungmachen. Fühlt sich ein bisschen an wie Heimweh. Und wenn ich am Rundschau-Haus im Brüderweg vorbei komme, dann sticht es noch ein wenig. Aber es wird weniger. Der Blick zurück wird seltener.

Manchmal denke ich, ich habe Glück gehabt, dass ich gerade zu diesem Zeitpunkt rausgeflogen bin. So passte es perfekt mit dem neuen Job. Viele Zufälle haben da eine Rolle gespielt. Wer weiß, ob es in ein paar Jahren auch so genial geklappt hätte?

Ich bewundere die ehemaligen Kollegen, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen. Mancher sicher aus der Not heraus. Ich wünsche allen alles erdenklich Gute und viel Erfolg auf dem neuen Weg. Sie alle haben meinen Respekt. Für mich ist es gut so, wie es ist. Als allein erziehende Mutter fühle ich mich wohler mit einer Festanstellung.

Dies ist der letzte Beitrag in diesem Blog. Das Kapitel ist für mich abgeschlossen. Auch innerlich. So wie der Ordner, den ich zugeklappt habe. Danke für die vielen Rückmeldungen, die Mut machenden Mails, die Gespräche, die Anrufe. Mir hat das sehr geholfen auf dem Weg zu einer neuen Perspektive.  Es gab sie wirklich, diese Tür, die aufging, nachdem die andere hinter mir mit einem lauten Knall zufiel. Auch wenn ich es anfangs niemals geglaubt hätte: An dem Spruch ist viel Wahres dran. Heute kann ich mit einem Lächeln sagen: Danke! Glückauf!

Fortschreitend.

Bitter für die Kollegen. Es geht immer weiter mit dem Kahlschlag.

http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/123487-modell-westfaelische-rundschau-macht-schule-funke-laesst-waz-lokalteil-von-der-konkurrenz-fuellen.html

 

Vielleicht kommt irgendwann der Punkt, an dem ich sage: Gut, dass ich so früh rausgeworfen wurde. So hatte ich eine Chance. Vielleicht ist dieser Punkt gar nicht mehr so weit weg.

 

Nachgereicht.

Hier ist der Link zur Zeit:

http://www.zeit.de/2013/36/zeitungssterben-journalismus-westfaelische-rundschau

Gespannt.

Davon habe ich immer geträumt: Mein Name in der ZEIT. Nun steht er drin. Aber nicht so, wie ich mir das in jungen Journalistenjahren ausgemalt habe. Nicht in der Autorenzeile. Nein. In einem Dossier über abservierte WR-Redakteure. So war das nicht geplant.

Zwei sachliche Fehler sind dem Kollegen mich persönlich betreffend unterlaufen: Ich war nie arbeitslos, sondern seit 1.2. freigestellt. Und ich habe an meinem letzten Arbeitstag Arbeitsproben ausgedruckt (war die letzte Gelegenheit, darauf zuzugreifen), keine Bewerbungen. Für die Bewerbungen habe ich mir extra einen neuen Farbdrucker gekauft. Den gab es in der WR-Redaktion nicht. Und meine Bewerbung sollte ein wenig Farbe haben…

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Premiere.

Mein erstes Mal. Ich lese und lese und lese… und stolpere über “Pressesprecherin Angelika Beuter”. Hoppla, das bin ja ich. Komisches Gefühl. Nach all den Jahren als Redakteurin habe ich die Seiten gewechselt. Manchmal bin ich kurz davor, am Telefon “Rundschau-Redaktion Beuter” zu sagen. Aber bisher ist es mir noch nicht wirklich rausgerutscht. Aber dann die neue Funktion auch gedruckt in der Zeitung zu lesen, das ist dann doch noch sehr ungewohnt…

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Der Job macht unverändert Spaß. So viele verschiedene Themen, Menschen, Aufgaben. Jeder Tag ist anders.

Ich habe so ein Riesenglück gehabt. Ich kann es manchmal selbst nicht fassen. Ich habe so viel Unterstützung erfahren. Auch und vor allem wegen dieses Blogs.

Ganz herzlichen Dank an alle, die mich getröstet, aufgebaut und aufgefangen haben, die mir Anregungen, Ratschläge und Hilfsangebote gemacht haben. Es war überwältigend. Ich konnte nicht alles beantworten, gelesen habe ich alles. Vielen Dank dafür!

 

Erschütternd.

Es gibt Nachrichten, die machen mich wütend. Zugleich lösen sie einen spontanen Würgereflex aus. Diese gehört definitiv dazu: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/springer-verkauft-abendblatt-und-berliner-morgenpost-a-913022.html

Die Kollegen tun mir jetzt schon leid. Allzu bald wird es ihnen ebenso ergehen wie uns. Bei Springer hat man offenbar erkannt, wo der Hase künftig lang laufen wird.

Offenbar sehen das auch andere kritisch: http://www.ndr.de/regional/hamburg/weichertinterview101.html
Und noch eine treffende Analyse: http://www.lousypennies.de/2013/07/25/rette-sich-wer-kann-was-jeder-journalist-aus-der-print-amputation-bei-springer-lernen-sollte/
Das Fazit für mich: Am Ende sollte ich froh sein, dass ich den Absprung geschafft habe.

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